Kognitive Verhaltenstherapie

Die klassische Verhaltenstherapie basiert auf den Lerntheorien. Im Laufe der Zeit wurden auch  Informationsverarbeitungsprozesse mit einbezogen. Dies wird als kognitive Verhaltenstherapie  bezeichnet. Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Denken und Gedächtnis sind hier von zentraler  Bedeutung. Nach Ellis und Beck sind psychische Störungen die Folge unangemessener Denkmuster und  Informationsverarbeitungsprozesse. Aus der Kombination der klassischen Verhaltenstherapie und  der neueren Ansätze entstand die moderne kognitive Verhaltenstherapie. „Nicht die Dinge an sich beunruhigen den Menschen, sondern seine Sicht der Dinge.“    Epiktet   griechischer Philosoph                                                          Die kognitive Verhaltenstherapie wurde ursprünglich von dem amerikanischen Psychotherapeuten  Aaron T. Beck  entwickelt. Sie soll den Klienten in die Lage versetzen, irrationale Annahmen und  automatisch ablaufende negative Gedankenmuster zu erkennen und zu verändern.  Die kognitive Verhaltenstherapie nach Beck beruht auf vier Therapiephasen. Nach Erfassung aller Symptome werden

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  • Aktivitäten erweitert und die Stimmung gehoben
  • automatische Gedanken untersucht, überprüft und widerlegt.
  • unangemessene Annahmen und negative Verzerrungen erkannt
  • Grundannahmen verändert.

Angststörungen werden unterteilt in Agoraphobien, spezielle Phobien, soziale Phobien, Panikstörungen und  generalisierte Angststörungen. Agoraphobien Die Betroffenen leiden unter der Angst vor dem Aufenthalt auf öffentlichen Plätzen oder in grossen  Menschenmengen. Agoraphobien können mit Panikattacken einhergehen. Es kommt zu  Vermeidungsverhalten. Dies kann die Betroffenen in ihrer Lebensgestaltung extrem einschränken. Spezielle Phobien Hier sind die Ängste sach- oder situationsgebunden und beziehen sich auf Tiere, Naturereignisse,  das Fliegen, Autofahren usw. Soziale Phobien Die Betroffenen fürchten den Kontakt zu ihren Mitmenschen. Sie haben zum Beispiel Angst, ein  Restaurant zu besuchen, am öffentlichen Leben teilzunehmen, im Beisein ihrer Mitmenschen eine  Unterschrift zu leisten, usw. Auch dies führt zu extremen Einschränkungen der Lebensgestaltung,  bis hin zur totalen Isolation. Panikstörungen sind nicht sach- oder situationsgebunden. Sie treten plötzlich auf, erreichen schnell ihren  Höhepunkt und flachen in der Regel nach ca. 20 Minuten  von alleine wieder ab. Sie gehen einher  mit körperlichen Reaktionen, wie Schwitzen, Zittern, Herzrasen, Luftnot und können Todesangst  und die Furcht, verrückt zu werden, auslösen. Behandlungsbausteine bei Angststörungen

  • Psychoedukation

      Informationen über Angst, Angstentstehung, Symptome usw.

  • Selbstbeobachtung

      Protokolle von Angstverhalten, Angstsymptomen usw.

  • Entspannungsverfahren

      Progressive Muskelentspannung nach Jakobsen, Autogenes Training, usw.

  • Kognitive Umstrukturierung
  • Expositionsverfahren, abgestuft oder als Flooding, in sensu oder in vivo

Zwangsstörungen Hauptsymptome bei Zwangsstörungen sind Zwangsvorstellungen und Zwangshandlungen.  Zwangsstörungen gehen häufig einher mit anderen psychischen Störungen, zum Beispiel  Angststörungen und/oder Depressionen. Die Folgen einer Zwangsstörung im Umfeld der  Betroffenen können gravierend sein. Der enorme Zeitverlust durch das Ausüben der  Zwangshandlungen, die Probleme bei der Bewältigung des Alltags und der beruflichen  Anforderungen, das Vermeidungsverhalten , der damit oft verbundene soziale Rückzug und die  depressiven Verstimmungen sind mit erheblichem Leidensdruck verbunden. Dennoch vermeiden die  Betroffenen oft jahre- bis jahrzehntelang den Gang zum Therapeuten. Bei der Therapie der Zwangsstörungen hat sich die Verhaltenstherapie und die kognitive  Verhaltenstherapie als wirksam erwiesen. Therapiebausteine bei Zwangsstörungen

  • Erkennen der automatisch ablaufenden Gedankenmuster und Problembewertungen.
  • Verändern der Gedankenmuster und Bewertungen
  • Verändern der Bedeutung von Zwangsgedanken
  • Verhindern von Zwangshandlungen und verdeckten Reaktionen
  • Training und Stabilisierung des veränderten Verhaltens

Essstörungen Anorexie Bei Patientinnen und Patienten die unter einer Magersucht leiden, wird ein Gewichtsverlust  angestrebt und erzielt durch eingeschränkte Nahrungsaufnahme, manchmal auch durch  selbstausgelöstes Erbrechen, durch exzessiven Sport, Missbrauch von Abführmitteln, Mitteln zur  Entwässerung und Appetitzüglern. Die Betroffenen leiden unter einer Körperschemastörung, das  heisst, sie empfinden sich selbst dann noch als zu dick, wenn sie objektiv gesehen nur noch „Haut  und Knochen“ sind. In der Folge treten körperliche Störungen auf. Die Regel bleibt aus, die Haut  wird trocken, Haarausfall tritt auf, der Hormon- und Elektrolythhaushalt ist gestört, es kommt zu  Hypotonie und Herzrhythmusstörungen. Weiter treten auch psychische Störungen auf. Es kommt  zu Depressionen, Angststörungen, Zwangsstörungen, Substanzmissbrauch und  Persönlichkeitsstörungen Therapiebausteine bei Anorexie

  • Normalisierung des Essverhaltens
  • Gewichtstabilisierung
  • Training sozialer Kompetenzen
  • Konflikt- und Problemlösetraining

Weiter geht es um die Bearbeitung von Beziehungsgestaltung und um die Verbesserung der  Emotionsverarbeitung. Bulimie Eine erfolgreiche Therapie der Ess- Brechsucht ist heute gut möglich. Es geht um die Bearbeitung  der folgenden Problembereiche:

  • Essverhalten
  • Angst vor dem Dicksein
  • Essanfälle
  • Schlankheitsideal
  • Zugrunde liegende Konflikte

Behandlungsbausteine bei Bulimie

  • Normalisierung des Essverhaltens
  • Konfrontationstherapie gegen die Angst vor dem Dicksein
  • Konfrontationstherapie gegen Essanfälle
  • Problemlösetraining

Adipositas Jeder Mensch bewertet ständig die Ereignisse und seine Umwelt. Manche Menschen bewerten auf  eine selbstschädigende Art. Die unangenehmen Gedanken lösen unangenehme Gefühle aus.  Diesen versuchen sie dann durch Essen auszuweichen. Zunächst werden die automatisch ablaufenden negativen Gedanken identifiziert, dann bearbeitet  und schliesslich durch förderliche Gedanken ersetzt. Menschen mit Essstörungen haben neben den unangemessenen Gedanken und Bewertungen  Schwierigkeiten damit, eigene Gefühle und Bedürfnisse wahrzunehmen. Statt diesen Gefühlen  durch Essen auszuweichen, sollten die Betroffenen versuchen, ihre Probleme in kleinen Schritten  zu lösen. Dauerhaft abzunehmen und dann das Gewicht auch zu halten, erreicht man nicht mit  irgendwelchen Diäten. Hier hilft nur eine dauerhafte Umstellung der Essgewohnheiten und zwar für  den Rest des Lebens.Diese Umstellung wird durch diverse verhaltenstherapeutische Methoden  erreicht. Belastungsstörungen werden unterteilt in akute Belastungsreaktionen, Anpassungsstörungen und posttraumatische  Belastungsstörungen. Sie werden dann zu den psychischen Störungen gezählt, wenn sie mit  Leidensdruck und Verminderung der Leistungsfähigkeit verbunden sind und so das Mass einer  üblichen Reaktion überschreiten. Akute Belastungsreaktion Sie tritt sogleich in der Folge eines belastenden Ereignisses auf und klingt nach spätestens zwei  Tagen wieder ab. Sie geht einher mit Angst, Verzweiflung, innerer Leere und unter Umständen auch mit Suizidalität.

  • Krisenintervention

Die Betroffenen werden begleitet und bis zu ihrer Stabilisierung unterstützt. Anpassungsstörungen treten häufig im Rahmen sogenannter „Schwellensituationen“ auf, zum Beispiel wenn enge  Beziehungen zerbrechen, beim Verlust der gewohnten Umgebung, bei Arbeitsplatzverlust ,  Einschulung, Heirat, Geburten eigener Kinder, Scheidung, Berentung usw. Sie beginnen innerhalb von 4 Wochen nach dem Ereignis und können mehrere Monate andauern.  Anpassungsstörungen gehen einher mit Sorgen, Grübeln, Ängsten, Schlafstörungen,  Verhaltensstörungen, innerer Unruhe, Freudlosigkeit und können grossen Leidensdruck mit sich  bringen. Posttraumatische Belastungsstörungen können nach schwerst traumatisierenden Ereignissen wie Überfällen, schweren Unfällen, dem  Erleben von Naturkatastrophen, Vergewaltigung, Geiselnahme, Kriegserlebnissen, auftreten. Die Betroffenen leiden unter Flashbacks, dem unkontrollierbaren blitzartigen Wiedererleben der  Traumatisierungen. Häufig kommen weitere psychische Störungen hinzu, wie Derealisations- und  Depersonalisationserlebnisse, Depression und Suizidalität, Panikattacken, Zwangsstörungen,  Angst vor dem Alleinsein, Schlafstörungen, Persönlichkeitsstörungen, um nur einige zu nennen. In  der Folge kommt es häufig zu Alkohol- und/oder Medikamentenabhängigkeit.  Behandlungsbausteine bei posttraumatischen Belastungstörungen

  • Gesprächstherapie
  • Verhaltenstherapeutische Massnahmen
  • Imaginative Verfahren
  • Hypnose
  • EMDR

In der therapeutischen Intervention hat die Stabilisierung der Betroffenen absoluten Vorrang. Erst  dann erfolgt die Bearbeitung der traumatisierenden Ereignisse. Verhaltenstherapie wir angewendet bei

  • Abhängigkeit von Alkohol, Medikamenten, Drogen, Spielsucht, Arbeitssucht,  Raucherentwöhnung,
  • Angststörungen: Agoraphobie, spezifischen Phobien, sozialer Phobie, generalisierter  Angststörung, Panikstörung
  • Zwangsstörungen
  • Belastungsstörungen
  • Persönlichkeitsstörungen
  • Essstörungen : Anorexie, Bulimie, Binge-Eating-Disorder, Adipositas
  • Psychosomatischen Erkrankungen
  • Verhaltensauffälligkeiten
  • und anderen Störungen